SVA II im Gespräch mit Johanna Leenen

So, Johanna, heute trifft ‘s also Dich…

Ich hab da mal in meinen Erinnerungen gegraben und dabei ist mir aufgefallen, dass Du diejenige Spielerin bist, von Lisa Maier und Jule Wollny mal abgesehen, die von den aktuellen Mitgliedern der Mannschaft trotz Deiner erst 20 Lebensjahre die meisten BWOL Spiele auf dem Buckel hat. Ist Dir das bewusst? Schockt Dich das? Hast gedacht, wenn ich schon von Radolfzell nach Allensbach komm…

Also ich muss sagen, ich habe ja bei Miri und Babsi angefangen und da war es für mich so mit 17 einfach unvorstellbar in der Oberliga zu spielen. Das war für mich eine Spielklasse, die ich als Jugendliche noch irgendwie als unerreichbar empfunden habe, da dachte ich, dass da nur die Elitespielerinnen spielen würden und ich empfand es als Auszeichnung eine Einladung zum Training zu erhalten und später vor allem dann auch mitspielen durfte bei den Spielen. In den ersten Spielen war ich so unglaublich nervös, dass ich immer froh war, als ich wieder vom Spielfeld runter durfte. (Anmerkung: Blutdruck 180  🙂  ) Wenn da so ne Spielerin mit fünfundzwanzig oder dreißig Jahren auf dich zukommt… und das in der Oberliga… das war für mich schon Waaahnsinnig (frei nach Jogi Löw) aufregend. Mittlerweile ist das natürlich schon etwas anderes als vor drei Jahren, es fühlt sich auch ganz anders an.

Du hast beim SVA Dein FSJ gemacht. Was machst Du aktuell?

Ich studiere Jura in Konstanz, jetzt dann im vierten Semester.

Eine Juristin auf dem Spielfeld. Ohne Worte… (seufz) 🙂

 Du bist Linkshänderin und spielst auf Rechtsaußen. Mehr oder weniger hat man Dich da auf dieser Position mangels weiterer Linkshänder alleine gelassen. Das führt dazu, dass Deine Spielanteile entsprechend hoch sind. Ganz schön stressig, oder? Kraft einteilen gilt nicht, würden die Trainer sagen…

Ja, das stimmt, das ist schon ganz schön stressig und, was ich auch sagen muss, da ich mehr Spielanteile habe, liegt da auch ein gewisser Druck auf mir, und ich merke auch, dass ich nicht immer meine Bestleistung abrufen kann, weil ich vor jedem Spiel merke, O.K., es ist wieder gefragt, aber das geht jeder anderen Spielerin natürlich auch so. Nur, ich weiß halt, es gibt keine zweite Linkshänderin auf Rechtsaußen. Es ist schon ein gewisser Druck den man da hat immer 100% funktionieren zu müssen, aber ich habe es mittlerweile gelernt damit umzugehen. Außerdem spielt Lisa Haab ja auch auf Rechtsaußen die mich entlasten kann, wenn es bei mir nicht so gut läuft, bzw. wenn die Trainer merken, dass ich eine Pause brauche.

„A pro pos“ Trainer. Es hat sich herumgesprochen, dass einer Deiner Trainer Dein Vater ist. Geht das gut? Ich hätte da meine Probleme damit (Grins) Jesses, jetzt sag bloß nichts falsches, haha.

(Lacht lauthals) Also ich muss sagen, dass ich seit der D-Jugend von einem Elternteil trainiert wurde, zuerst mit der Mama. Da muss ich sagen, das war … O.K., aber sehr schwierig, was vielleicht auch daran liegt, dass wir uns Charakterlich sehr ähnlich sind. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich mich in der Zeit voll in der Pubertät befunden habe. Danach, in Radolfzell, wurde ich von meinem Papa trainiert, in Allensbach dann zunächst nicht, aber seit zwei Jahren wieder und ich muss sagen, dass wir sehr gut miteinander auskommen. Natürlich gibt es auch da einige Reibereien, aber das gibt es wohl überall.

Dann wäre das auch geklärt….

18 Spieltage habt Ihr jetzt hinter Euch gebracht. Es gab viel positives aber auch nicht so positives zu berichten. Dein Fazit? Was hat Dir besonders gut gefallen, was nicht? Welche Lehren ziehst Du aus dem erlebten? Was möchtest Du besser machen?

Was ich positiv herausziehe ist auf jeden Fall unser Auftakt in die Saison, das war natürlich bombastisch! Das hätte keiner von uns erwartet. Also ich muss sagen, da hab ich für mich selbst sehr viel positive Energie gewonnen. Was natürlich nicht so gut war, ist unser Leistungsloch so ab Mitte/Ende November. Ich glaube aber, dass das jeder Mannschaft passieren kann, zumal dann, wenn man das erste Jahr Oberliga spielt und so eine junge Mannschaft ist wie wir es sind. Das positive für mich ist aber, dass wir uns nach Weihnachten selbst wieder aus dieser Krise befreit haben und wir beweisen konnten, dass wir in der Liga fast jeden Gegner schlagen können. Mein Fazit ist, dass wir auf jeden Fall in der Oberliga angekommen sind, dass wir auch da mithalten können. Ansonsten muss ich sagen, dass ich in diesem Jahr bereits mehr gelernt habe als in den beiden vergangenen Spielzeiten in der SBL. Es bringt mich persönlich auch viel viel weiter und macht mir auch viel mehr Spaß in der BWOL. Auch merke ich , dass ich in jedem Training dazu lerne. Das war davor zwar auch der Fall, aber nicht in dem Maße.

Gut, dann bleibt mir nur noch Dir und Deiner Mannschaft eine gute und Verletzungsfreie restliche Saison zu wünschen….  Aber eins möchte ich noch wissen: In Deinem Steckbrief steht was drin von wegen „Duttlocken“. Vielleicht bin ich ja ein Banause, aber ich sehe keine, bzw. was muss ich mir darunter vorstellen? 🙂

(lacht lauthals) Also die Mädels haben das mal gesagt, weil, wir gehen ja das ganze Jahr draußen laufen und da es am Bodensee leider so ist, dass es im Frühjahr und im Herbst immer neblig ist… , ich weiß nicht, ob das grade bei mir der Fall ist (greift sich prüfend ins Haar), …also der Papa hat ja extreme Locken wenn er seine Haare länger wachsen lässt (also das möchte ich mal sehen 🙂 hihi hoho haha). Also ich hab das von ihm geerbt (das mit den Locken) und sobald es draußen diesig oder neblig ist, bekomme ich so kleine Locken. Jedenfalls sagen die Mädels immer zu mir, das sieht aus wie „Duttlocken“ 🙂  Ich kann Dir sagen, das ist immer ein heiden Stress diese wieder herauszubekommen (grinst bzw. lacht)!

Na dann…