Wenn man kein Glück hat…!

TG 88 Pforzheim – SV Allensbach II 21:20 (10:10)

Das, was die gut 100 Zuschauer in der Pforzheimer Fritz-Erler-Halle am Samstagabend zu sehen bekommen haben, war zumindest auf Seiten des SVA, das Beste, was die Mädels in dieser Saison abgerufen haben. Leider hat es am Ende wieder mal nicht gereicht und man fuhr mit leeren Händen heim an den Bodensee.

Der letztjährige Drittligist Pforzheim hat sich vor der Saison unter anderem mit der 28-jährigen Lettin Dina Bergmane-Versakova verstärkt, die in der letzten Saison noch in der 3. Liga Nord auf Tore  Jagd gegangen ist und aus der BWOL kam Justine Stindl von der TSG Ketsch. Zusammen mit dem eh schon starken Rückraum Annika Henschel und Stefanie Kurstak eine ziemlich harte Nuss für die junge Mannschaft von Babsi Harter und Rainer Leenen.

Am gestrigen Abend jedoch sah man über weite Strecken des Spiels keinen Unterschied zwischen dem aktuell dritten der Oberliga, der TG Pforzheim und dem Vorletzten SVA 2. Die Mannschaft setzte entschlossen das um, was man sich im Laufe der Woche in vielen und langen Gesprächen erarbeitet und vereinbart hatte. Unabhängig vom Spielstand nicht aufzugeben und zu kämpfen. So warf auch ein zwischenzeitlicher 3-Tore Rückstand Mitte der ersten Halbzeit die Mädels nicht aus der Bahn. Jasmin Moll war es vorbehalten, faktisch mit dem Halbzeitpfiff, zum 10:10 auszugleichen und die Drittliga-Reserve aus Allensbach merkte, dass eine faustdicke Überraschung im Bereich des Möglichen war.

Der Beginn der zweiten Hälfte ging dann kurz zu Gunsten der Gastgeber. Nach dem 13:11 für Pforzheim zeigte der SVA allerdings einen fulminanten 0:5 Lauf und plötzlich leuchtete ein 13:16 von der Anzeigetafel in Pforzheim. Keine 5 Minuten später hatten die Gastgeberinnen jedoch wieder ausgeglichen und das Allensbacher Trainerteam sah sich zu einer Auszeit gezwungen. Bis zum 18:18 war es danach ein Kopf an Kopf Rennen und erst mit dem 20:18 durch Stefanie Kurstak in der 55. Minute schien die Messe gelesen. Weit gefehlt. Entgegen der letzten Spiele steckte der SVA nie auf und so war es die gestern starke Katja Allgaier, die in der 59. Minute den Ausgleich erzielte. Leider gelang Pforzheim im Gegenzug durch eine schöne Einzelaktion von Justine Stindl der entscheidende Treffer zum 21:20. Die Allensbacher Trainer nutzen ihre letzte Auszeit und gaben die Marschroute für die verbleibenden 50 Sekunden vor. Die Mannschaft spielte wie vorgegeben und Katja Allgaier kommt drei Sekunden vor Schluss sehr schön auf rechts zum Abschluss, allerdings heftig bedrängt von der heranstürmenden Linksaußen von Pforzheim. Die ansonsten gut leitenden Schiedsrichter Ensle / Krieg verließ in dieser entscheidenden Sekunde der Mut, der Mut zum Siebenmeterpfiff, der mehr als berechtigt gewesen wäre, was selbst die Gegenspieler und der Trainer von Pforzheim nach dem Spiel sportlich fair anmerkten.

Rainer Leenen „9 von 10 Schiedsrichtergespannen zeigen in dieser Situation auf den Punkt. Nichts anderes hätte hier passieren müssen. Wenn eine Spielerin drei Sekunden vor Schluss am letzten Wurf behindert wird, kann ich als Schiedsrichter nicht tatenlos nebendran stehen und mit den Schultern zucken. Es ist zum weg laufen. Wenn man kein Glück hat, kommt auch sowas noch dazu.“

Babsi Harter „Ein Riesenkompliment an unsere Mädels. Das war in der Abwehr heute phasenweise perfekt. Pforzheim hatte zwischenzeitlich keine Mittel gegen unsere Abwehr. Mit nur 21 Gegentoren musst Du ein solches Spiel gewinnen. Aber leider sind nur 20 erzielte Tore einfach zu wenig. Da hat die gegnerische Torhüterin, Jasmin Scheid, maßgeblichen Anteil gehabt. Aber wir bauen trotz allem auf der heutigen Leistung auf. Wir sind Millimeter an unseren Gegnern dran und nicht  haushoch unterlegen. Das stimmt uns zuversichtlich, dass der Klassenerhalt in Reichweite ist. Wir müssen uns jetzt nur mal belohnen für unseren Aufwand.“

Auf Seiten des SVA zeigte vor allem Julia Gruber im Tor eine bockstarke Partie. Immer wieder entschärfte sie die Würfe des Pforzheimer Rückraums. Erfreulich auch das Debüt von Julia Scharff im Frauen 2 Trikot. Die A-Jugendliche hat nach langer Verletzungspause gestern ihr erstes Spiel im Aktivenbereich des SVA gemacht und zeigte insbesondere in der ersten Halbzeit eine couragierte Vorstellung.

Es spielten:

Julia Gruber, Elisa Singler, Zoe Ludwig (Tor); Katja Alllgaier (2), Jennifer Heinstadt (1), Jule Wollny (1),  Johanna Leenen, Lisa Maier (8/1),  Lucy Dzialoszynski (5/2), Jasmin Moll (1), Julia Scharff (2), Laura Epple,  Laura Kayser

Für die Mädels vom See geht es bereits an Allerheiligen weiter. Dort muss man um 15.00 Uhr bei der momentan verletzungsbedingt schwächelnden HSG St. Leon-Reilingen ran, bevor es dann, wiederum nur vier Tage später, beim eigenen Superball² im Kellerduell gegen den TV Brombach geht.

Rainer Leenen „das sind nun zwei sogenannte „Vier-Punkte-Spiele“ in vier Tagen. Wir wollen diese vier Punkte holen und damit den Anschluss ans Mittelfeld herstellen. Hoffen wir mal, dass sich bis Mittwoch keine Spielerin krank meldet, weil die aktuell grassierende Erkältungswelle auch in unserem Kader angekommen ist“.

 

Anpfiff in der Fritz-Mannherz-Halle in Reilingen ist am 01.11.17 um 15.00 Uhr