Das eigene Gesicht als Abziehbild: Spieler des SV Allensbach gibt es nun zum Sammeln

Früher die Fußball-Stars, heute gibt es die Spieler des SV Allensbach zum Sammeln. Die jungen Sportler blicken von Abziehbildchen fürs Album.

In der Halle ist es laut und das liegt nicht nur an der Akustik. “Hast du den hier schon?” Darauf, nachgeschoben: “Und die hier, die Ronja?” Die habe sie schon alle, antwortet Jugendleiterin Susi Heinstadt, doch dann klappt es unerwartet doch noch mit der Tauschfreude: “Halt hier, die Laura fehlt mir.” Die Mädchen der E-Jugend beim SV Allensbach haben eine Beschäftigung, der sie mit viel Engagement nachgehen, die mit Sport im eigentlichen Sinn aber wenig zu tun hat: Sie tauschen, sie kleben, sie sammeln: alle Sportler und Mannschaften ins eigene Sammelalbum.

Wofür sonst Panini sorgt, erledigt in Allensbach Stickerstars. Seit einigen Wochen liegen die Sammelhefte den Vereinsmitgliedern vor, am ersten Tag der Aktion bekamen die Mitglieder Hefte und wenige Aufkleber umsonst. Dass nicht die Stars der Fußball-Nationalmannschaft auf den Bildern zu sehen sind, sondern die aktiven Sportler aus Allensbach, ist dem Start-up-Unternehmen Stickerstars zu verdanken. Vor drei Jahren wurde es in Berlin mit der Idee gegründet, individuelle Alben für lokale Vereine bereitzustellen. Seitdem können Vereine mit dem Unternehmen in Kontakt treten und ihr eigenes Album und die Bilder bestellen. Voraussetzung ist, dass ein örtlicher Händler, wie in Allensbach der Neukauf, den Vertrieb übernimmt und sich Sponsoren finden. Damit bleibt das Projekt für den Verein kostenneutral.

Einen Teil der Einnahmen vom Verkauf der Bilder bekomme der Verein, berichtet Jugendleiterin Susi Heinstadt. Für den Verein sei das Sammelalbum ein tolles Projekt: Zum einen eine gute Möglichkeit, den Verein nach außen zu präsentieren: “Wir hoffen, dass viele Fans das Album kaufen.” Zum anderen binde es die eigenen Mitglieder intensiver an den Verein. “Ich habe früher selbst Fußballbilder gesammelt und finde es für die Kinder toll”, sagt Susi Heinstadt. Im Vorfeld sei der Aufwand für das Projekt groß gewesen, als es darum ging, alle Sportler zu fotografieren. Die meisten hätten ihr Einverständnis zum Foto gegeben. “Es gab eher einige Jugendliche, die nicht ins Album wollten, das respektieren wir natürlich”, berichtet Susi Heinstadt.

Dass der Sammelspaß nicht ganz billig ist, kennen viele Eltern schon von Sammelphasen ihrer Kinder bei großen Fußballereignissen. Katrin Steinebrunner, Mutter von Ina, eines der E-Jugend-Mädchen, erinnert sich: “Bei Panini habe ich bei 80 Euro aufgehört, das Geld zu zählen”. Susi Heinstadt verweist auf einen weiteren Effekt: Der örtliche Einzelhändler profitiere natürlich davon, dass die Familien der Vereinsmitglieder die Klebebilder kaufen und dies oft mit einem Einkauf verbinden.

Die Unternehmenskommunikation des Einzelhändlers verweist eher auf ideelle Motive: “Einige unserer Märkte unterstützen ihre heimischen Vereine mit einem Sticker-Sammelalbum.” Das Engagement zeige die regionale Verbundenheit des Lebensmittelmarktes und den Willen die Vereinskultur zu fördern, schreibt Nina Schneider, stellvertretende Sprecherin von Edeka Südwest.

Die Mädchen der E-Jugend jedenfalls waren leicht vom eigenen Gesicht im Album zu überzeugen. “Ich habe schon 170 Aufkleber”, verkündet Josephine. “Ich finde es gut, dass es von uns Sticker gibt”, ergänzt die neunjährige Rosalie. Und Mia meint, es sei ein seltsames Gefühl, sich selbst als Aufkleber im Stickerset vorzufinden. Die Mädchen tauschen überall: in der Schule, am Rande des Trainings, bei der Weihnachtsfeier. Der Sport selbst soll unterdessen nicht zu kurz kommen. Ina liebt Handball, weil sie gerne mit dem Ball umgeht und der Kontakt zu ihren Mannschaftskolleginnen ihr gefällt. Fast alle sind seit der ersten Klasse dabei. Nun sind sie schon Albumstars, vielleicht werden sie noch weit kommen.

Zu dem Projekt

  • Die Sammelalben: Etwa 300 Hefte sind für den SV Allensbach gedruckt worden, 170 wurden bereits verkauft. Das Projekt läuft über einen Zeitraum von zwölf Wochen. In dieser Zeit wird es drei Tauschbörsen geben, bei denen die Sammler versuchen können, noch fehlende Bilder zu tauschen.
  • Die Kosten: Ein Sammelalbum kostet vier Euro. Eine Packung mit Klebebildern kostet 80 Cent, in einer Packung sind fünf Aufkleber. Fünf Packungen kosten vier Euro. Aufkleber können auch nachbestellt werden. Die Erlöse fließen teilweise in die Vereinsförderung

Quelle: Südkurier, Konstanz