Aw: Zwei Seiten derselben Medaille

Man kann die Situation meist von zwei Seiten betrachten, so schon zu Beginn des Spiels: einerseits könnte man als Trainer natürlich die zahlreichen abwesenden Spielerinnen ins Treffen führen, dass man sich – trotz Tabellenführung – in der Außenseiterrolle befände. Andererseits kann man das Ziel – 2 Punkte – in den Focus rücken, Herz und Handball in die Hand und die Herausforderung annehmen.

Irgendwie war’s dann zu Beginn keines von beiden. Ja, die Mannschaft wollte die zwei Punkte, wollte sich beweisen. Aber einen gewisse Verunsicherung schien trotzdem zu lähmen. Die Deckung wirkte leise und zaghaft, der Angriff teilweise hektisch und unkonzentriert. Einzelne souverän herausgespielte Treffer, immer wieder gute Aktionen in der Deckung … ,aber so richtig gelöst wirkte das nicht. Die Last der Verantwortung lag schwer auf den Schultern manch junger Spielerin, auch Spielfreude und Aggressivität waren nicht durchgängig vorhanden.

RW Neckar nutzte das und lag eigentlich kontinuierlich in Front. Auch der Gegner agierte keineswegs fehlerfrei, aber die Mehrzahl an vermeidbaren Fehlern ging doch in Halbzeit eins auf das Konto des SV Allensbach. Kurz vor der Pause konnte die Heimmannschaft dennoch auf 13:14 verkürzen und die Partie schien wieder offen zu sein.

In der Halbzeitpause versuchten die Trainer nun der Mannschaft einerseits den Druck zu nehmen, andererseits jedoch an die Körpersprache und die Aggressivität zu appellieren. Wirkung hatte dies jedoch zu Beginn von Durchgang zwei nur beschränkt – aus dem 13:14 war nach einigen Minuten ein 15:19 geworden. Ein Perspektivenwechsel war gefragt …20 Minuten vor dem Ende bestand nun also Gesprächsbedarf. So wollte man sich nicht präsentieren. Mittlerweile war das Herz, das man hatte in die Hand nehmen wollen, irgendwie in die Hose gerutscht.

Doch genauso wie man die ersten 40 Spielminuten nicht wirklich schlüssig analysieren kann, ist auch der Ruck, der zu diesem späten Zeitpunkt nun durch die Mannschaft ging, nicht wirklich erklärbar. Was war passiert? Plötzlich schien ein völlig anderes Team auf dem Feld zu stehen. Tor um Tor wurde aufgeholt und mit völlig verwandelter Körpersprache in der Deckung wurde nun um jeden Zentimeter Raum gekämpft. 24:24 – und fast hätte man am Ende noch die Chance auf den Siegtreffer gehabt …

Jede Situation kann man also von zwei Seiten betrachten, aber mir gefällt die Sichtweise besser, in der Spielerinnen gerade in der entscheidenden Phase zahlreiche starke Entscheidungen getroffen haben. In der B-Jugendliche in der A-Jugend ihre Frau gestellt haben und mittlerweile vollwertige Mannschaftsmitglieder sind. In der die Deckung zeitweise unglaublich beweglich und aggressiv agiert und eine Torhüterin teilweise den Kasten vernagelt hat. Und in der der spät wiedergefundene Mut und die Leidenschaft dem Team einen Punkt gesichert haben.