Im Anzeiger-Gespräch: Susi und Christian Heinstadt vom SV Allensbach

„Wir sind eine große Familie“

November – KW 45/2017 · Seit 1978 – Konstanzer Anzeiger

Er sei selbst ein Späteinsteiger, schmunzelt Christian Heinstadt. Der Abteilungsleiter für Handball beim SV Allensbach war ganz für Leichtathletik begeistert, bevor er zum Handball fand. Inzwischen ist er gemeinsam mit seiner Frau Susi seit rund 18 Jahren für den Jugendbereich Handball verantwortlich. Und das mit großer Leidenschaft, unermüdlichem Engagement und nicht zuletzt viel Erfolg.

Der Erfolg für den Handball kam vor rund 25 Jahren. Wie kann er weiter gehalten werden?

Christian Heinstadt: Wir wollen das natürlich weiter führen. Deshalb ist auch der Jugendbereich für uns so wichtig. Wir sind da sehr aktiv. Ganz intensiv ist die Zusammenarbeit mit Schulen.

Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?

Ch. H.: Seit fünf Jahren gibt es die Möglichkeit ein freiwilliges soziales Jahr beim SV Allensbach zu absolvieren. Die FSJler unterstützen Sportlehrer beim Unterricht mit ihren Handball- Kenntnissen. Und sie organisieren und leiten einen Grundschulaktionstag.

Werden sie dafür speziell geschult?

Ch. H.: Ja, sie werden auf diese Aufgabe vorbereitet. Sie erwerben eine Trainerlizenz Breitensport, damit sie über die nötige Fachkompetenz verfügen.

Mit welchen Schulen besteht eine Zusammenarbeit?

Ch. H.: Anfangs bestand die Zusammenarbeit mit der Grund- und Hauptschule Allensbach sowie der Grundschule Reichenau. Inzwischen sind die Grundschulen der Waldsiedlung, Hegne und Litzelstetten dabei.

Gibt es weitere Kooperationen?

Ch. H.: Ein weiteres Kooperationsprojekt ist „Schule-Verein“. Zweimal im Monat werden über das ganze Schuljahr Übungsstunden an Samstagvormittagen in der Riesenbergsporthalle oder in der Bodanrückhalle angeboten. Silvia Egenhofer leitet dieses Projekt gefühlt schon eine Ewigkeit, sicher schon 25 Jahre oder länger. Mit einfachen verschiedenen Spielformen werden kindgerecht die Grundelemente des Handballspiels erlernt. Einige Kinder, die in der Kooperation mit Handball begonnen haben, haben es bis in die 1. Damenmannschaft schon geschafft.

Erfolg hat ja auch etwas mit Identifikation mit dem Verein zu tun. Man hat den Eindruck, dass diese bei Ihren Spielerinnen und Spielern groß ist.

Susi Heinstadt: Ja, das Sicherstellen des Nachwuchses für die verschiedenen Mannschaften ist nicht alles. Uns ist das Vereinsleben als solches sehr wichtig. Wir sind wie eine große Familie. Die Saisoneröffnung ist immer ein Fest für alle. Wir machen ein Gruppenfoto, um zu demonstrieren,

wir gehören alle zusammen.

Ch. H.: Wenn die Jugendlichen das Gefühl haben zu einem „eingeschworenen Haufen“ zu gehören, dann springen sie auch in der heiklen Pubertätsphase nicht so leicht ab. Das spielen in der Mannschaft ist wie ein Anker.

Dazu gehört sicher auch mehr als nur zu zeigen, wie man richtig Handballspielt?

S.H.: Die Verantwortung für die jungen Menschen geht weit über die sportliche Ausbildung hinaus. So gehört auch Prävention von Sucht zum Leitgedanken des Vereins. Das heißt auch, die Trainer müssen Vorbildfunktion übernehmen. Unsere große Stärke ist die Integration von Kindern und Jugendlichen mit körperlichen Einschränkungen. Bei uns bekommt jeder eine Chance.

Ch. H.: Wichtig ist, dass alle Spaß am Spiel haben. Auch wenn es dann auch aus gesundheitlichen Gründen vielleicht nicht in den Leistungsbereich reicht, profitieren doch alle von diesem Miteinander.

Mit der HSG Konstanz haben Sie einen erfolgreichen Nachbarn im Bereich Herren-Handball.

Ch. H.: Wir kooperieren gerne mit der HSG. Gemeinsam haben wir im Frühjahr schon zum vierten Mal den Superball in Konstanz ausgetragen. Das ist Handball-Spitzensport, mit dem unsere Frauen-Drittligisten und die HSG Konstanz Zweitliga-Mannschaft tausende Zuschauer begeistert. Die Großveranstaltung hat sich fest im Veranstaltungskalender der Region etabliert. Am 5. November fand zum dritten Mal der Superball² der zweiten Herren Mannschaft der HSG Konstanz und des SV Allensbach in der Riesenbergsporthalle in Kaltbrunn statt. Es ist auch immer ein bisschen ein Vergleich der unterschiedlichen Spielsysteme. Damen-Handball ist ein bisschen anders. Mehr Technik, weniger Kraft, aber genauso viel Niveau. Wir wissen, was wir können, haben Spielfreude und sind ehrgeizig.

Was wünschen Sie sich für den Allensbacher Handball?

Ch. H.: Einfach, dass wir das erhalten können, was wir geschaffen haben, aber uns auch den Veränderungen im Umfeld stellen und uns weiterentwickeln. Dazu gehören weitere Kooperationen mit Schulen und auch eine schulische Lehrerfortbildung ist in der Planung. Das „wir“ steht im Vordergrund.

S.H.: Die fachliche Ausbildung von Lehrkräften an Schulen ist wichtig, damit sie ähnliche Übungen in den Unterricht nehmen wie unsere Handball-Trainer und die Kinder damit für das Handballspiel begeistern können. Wir möchten weiterhin allen Jugendlichen eine Chance bieten sich in der Handballfamilie sportlich und sozial zu entwickeln, einen Anker zu haben und ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihre Ziele erreichen zu können.

Die Fragen stellte Heidi Czada