Ein toller Tag: Zu Besuch bei der Handball-WM der Frauen

Wer mehr über andere Länder und Kulturen erfahren will, muss normalerweise weit reisen. Am vergangenen Samstag reichte dafür eine Fahrt nach Bietigheim-Bissingen. In der dortigen EgeTrans Arena fand der erste Vorrundenspieltag der Gruppe B der Frauen Handball-WM statt. Dass man dort neben zum Teil erstklassigem Handball auch die Fankulturen anderer Länder beobachten durfte, war ein netter Nebeneffekt.

Morgens um 10.30 Uhr startete der Reisebus mit 26 Personen besetzt gut gelaunt in Richtung Bietigheim. Der Förderverein, der die Fahrt zur Handballweltmeisterschaft der Frauen organisiert hatte, spendete eine kleine Vesper, so dass die gute Laune trotz eines kleinen Staus bis zur Ankunft nicht abnahm. Rechtzeitig zum ersten Spiel des Tages zwischen Argentinien und Tschechien hatte die Allensbacher Reisegruppe ihre (Steh-)Plätze eingenommen, die zumindest im ersten Spiel auch als Sitzplätze genutzt werden konnten. Das Spiel war ein typisches Auftaktspiel einer Weltmeisterschaft: Beide Mannschaften spielten bemüht, aber mit vielen technischen Unzulänglichkeiten. Die Argentinierinnen hatten nicht nur die hübscheren Trikots, sondern fanden anfangs auch besser ins Spiel. Doch spätestens ab Mitte der ersten Halbzeit wurde die spielerische Überlegenheit der Tschechinnen offensichtlich, und so endete das Spiel in der Höhe verdient mit 28:22 für Tschechien.

Da es galt, zwischen dem ersten und zweiten Spiel des Tages mehr als zwei Stunden Zeit zu überbrücken, wurde kurzerhand ein Besuch auf dem Bietigheimer Weihnachtsmarkt ins Programm aufgenommen. Gut genährt, aber auch leicht verfroren, kehrten alle rechtzeitig für die beiden Abendspiele zurück in die Bietigheimer Handballarena. Dort wurde dann streckenweise richtig guter Handball gezeigt. Den Auftakt machten die Nationalmannschaften aus Polen und Schweden. Hier trafen nicht nur zwei unterschiedliche Spielstile, sondern rund um das Spielfeld auch zwei völlig verschiedene Fankulturen aufeinander. Auf der einen Seite die ruhigen und freundlichen schwedischen Fans, auf der anderen Seite die sehr laut- und halbstarken polnischen Fans. Das Spiel selbst war das spannendste des Tages: Dass das Team aus  Polen am Ende mit 33:30 als Sieger vom Platz gehen konnte, war zwar nicht unverdient, hatten sich die Schwedinnen jedoch selbst zuzuschreiben. Über weite Strecken wirkten die Skandinavierinnen zu langsam in ihren Aktionen und auch vom Kopf her nie ganz bei der Sache. Drei schnelle Gegentore bei eigener Unterzahl und zusätzlichem Feldspieler offenbarten zudem auch taktische Schwächen innerhalb des Teams. Die Polinnen hingegen spielten über weite Strecken einen guten und technisch sauberen Handball und gewannen das Spiel daher verdient.

Das letzte Spiel des Abends war ganz sicher das sportliche Highlight des Tages: Norwegen gegen Ungarn. Weltmeister Norwegen zeigte über weite Strecken des Spiels, dass sie auch dieses Jahr bei der Titelvergabe eine gewichtige Rolle spielen werden. Insbesondere in der ersten Halbzeit spielten die Norwegerinnen wie aus einem Guss: Hinter einer äußerst soliden Abwehr stand eine überragende Torfrau und im Angriff glänzten insbesondere Mörk und Oftedal mit einer herausragenden Übersicht und einem ebensolchen Spielverständnis. Und neben dem Spielfeld? Da überboten die ungarischen Fans die polnischen aus dem Spiel davor und die norwegischen Fans überzeugten mit ihrer ruhigen und sympathischen Art – insbesondere eine kleine Combo von rund zehn über 60-jährigen Norwegern boten nette musikalische Unterhaltung, wenn es mal ganz ruhig in der Halle war. Dass die ungarischen Fans deutlich lauter schrien als die norwegischen nutzte ihnen nichts, denn auf dem Spielfeld gaben die Norwegerinnen den Ton an und gewannen am Ende hochverdient mit 30:22.

Nach zwei handballerisch sehr sehenswerten Partien zum Ende des Tages konnte der Allensbacher Tross glücklich und müde den Heimweg antreten. Aus Sicht des Fördervereins war der Besuch bei der Handball-WM der Frauen ein voller Erfolg: Es hat großen Spaß gebracht! Vielen Dank an alle, die uns begleitet haben. Bei der nächsten Handball-Weltmeisterschaft, die in Deutschland stattfindet, sind wir in jedem Fall wieder dabei.