Die Redaktion im Gespräch mit…

Susi Heinstadt, Jugendleiterin Handball im SVA

Susi, die Handballsaison ruht, wir befinden uns „zwischen den Jahren“. Also ist derzeit auch bei Dir nichts los?

Ganz im Gegenteil. Nach der Saison ist für uns im „Backoffice“ immer auch  vor der Saison. Es geht darum für alle Jugendmannschaften Trainer zu finden, im Idealfall sind alle Mannschaften doppelt besetzt. Die Mannschaftskader müssen zusammengestellt werden, es gilt zusammen mit unserem Spielwart (Lony Odenwald) die Spielpläne für die kommende Saison zu erstellen und am Ende auch neue Sponsoren zu suchen für unsere Abteilung.

Mit der Qualifikation der A-weiblich zur Jugendbundesliga und zur BW-Oberliga hat der SVA ein Ausrufezeichen in Südbaden gesetzt. Wie ist Euch das gelungen?

Zunächst war sicherlich unser guter Ruf als starker weiblicher Handballverein in Südbaden nicht ganz „schuldlos“ an dem Umstand. Zusammen mit einem sehr engagierten und hoch qualifizierten Trainerteam war das ausschlaggebend dafür, auch auswärtige Spielerinnen für das Projekt Jugendbundesliga zu begeistern. Das uns dies in der doch sehr aufwändigen und sportlich überaus anspruchsvollen Qualifikation gelungen ist, erfüllt uns alle mit großem Stolz. Es ist das erste Mal in der Vereinsgeschichte des SV Allensbach, dass eine A-weiblich in der Jugendbundesliga spielt. Parallel dazu haben wir die Qualifikation zur BW-Oberliga angestrebt und auch erreicht. Das gibt uns die Chance auch den Spielerinnen, die in der Jugendbundesliga vielleicht nicht zu so vielen Einsatzzeiten kommen werden, Spielpraxis auf hohem Niveau zu ermöglichen.

In der neuen A-Jugend der Saison 2017/18 spielen viele neue Gesichter, die bislang in anderen Vereinen auf Torejagd gegangen sind. Was ist die Motivation der Mädels an den Bodensee nach Allensbach zu wechseln?

Sicherlich nicht nur die schöne Landschaft hier am Bodensee (grinst!). Nein, es ist zweifelsohne die Perspektive in einem motivierten und mit tollen Einzelspielerinnen  besetzen Kader in der höchsten deutschen Jugendspielklasse spielen zu können. Darüber hinaus lockt sicher auch die Möglichkeit perspektivisch im Aktivenbereich eine Chance in der 1. oder 2. Mannschaft (3. Liga und BW-Oberliga) zu bekommen. Man darf nicht vergessen, dass wir mit diesen beiden Mannschaften die am höchsten spielenden weiblichen Mannschaften im Bezirk Hegau-Bodensee stellen und auch im südbadischen Vergleich nicht schlecht dastehen. Last but not least sind es sicherlich auch die beruflichen Perspektiven, die wir dank unserer sehr guten Kooperation mit Uni und Hochschule Konstanz bieten können. Und ganz am Ende bieten wir beim SVA ein familiäres Umfeld, in der sich viele helfende Hände um die „Frischlinge“ kümmern, die -zum Teil noch 17-jährig – alleine an den Bodensee ziehen. Das verdient meinen allergrößten Respekt.

Zeitgleich hat die weibliche B-Jugend zum zweiten in Folge die Qualifikation zur BW-Oberliga geschafft, der höchsten deutschen Spielklasse in dieser Altersklasse. Was waren hierfür die Voraussetzungen?

Viele gute Einzelspieler, die binnen kürzester Zeit von den drei Trainern Heike Leenen, Lisa Maier und Christian Heinstadt zu einer Einheit geformt wurden. Ähnlich wie bei der A-Jugend, wenn auch nicht in der Menge, kamen Spielerinnen aus der Region zu uns zum SVA, um hier hochklassig spielen zu können. Nun gilt es, dass die Spielerinnen des älteren Jahrgangs, die bereits im letzten Jahr BW-Oberliga gespielt haben, diese Erfahrung an die Spielerinnen des jüngeren Jahrgangs weitergeben. Darüber hinaus profitieren wir in der B-Jugend natürlich von der sehr guten Ausbildungsarbeit unserer Trainerinnen und Trainern in den jüngeren Jahrgängen der C-Jugend und jünger. Die Mannschaft zeigte in beiden Quali-Turnieren eine sehr homogene Leistung, wobei sich die Abwehr als Prunkstück herauskristallisierte.

Das Ganze geht bestimmt nicht ohne ein kompetentes und engagiertes Trainerteam. Wie gelingt es Euch die vielen notwendigen Köpfe zu gewinnen und – wie man sieht – auf Erfolgskurs zu halten?

Wir bieten sicherlich ein gutes , familiäres Umfeld. Dort fühlen sich nicht nur die Spielerinnen wohl, auch unsere Trainer schätzen das Miteinander sehr. Jeder gönnt dem anderen seinen Erfolg. Dazu kommt, dass wir bereits unsere interessierten Jugendspielerinnen früh zur Schülermentorenausbildung und zur Handball C-Lizenz Ausbildung schicken. Sie steigen dann bei der E-oder D-Jugend ein und einige bleiben hängen. Alleine aus unserer Frauen II kommen diese Saison sieben Trainerinnen.

Wir können uns vorstellen, dass die vielen überregional spielenden Teams (auch die C-weiblich sowie die A2 und B2 spielen in der Südbadenliga), einen immensen Aufwand, auch im Hintergrund, erfordern. Wie meistert ihr das und wer unterstützt Euch dabei?

Für meine Person gesprochen geht  das nur, wenn die ganze Familie dahinter steht. Das ist bei uns der Fall. Mein Mann Christian ist Abteilungsleiter Handball und einer der Trainer der B1 in der Oberliga. Unsere beiden Töchter sind ebenfalls aktiv in der B-Jugend, bzw. in der A1 und Frauen II. Dazu muss man es mit Leidenschaft betreiben. Wenn dann der Erfolg da ist, weiß man auch, wofür man die ganze Zeit investiert, Dazu kommen sehr verlässliche, engagierte und kompetente Eltern und Trainer, auf die ich mich nahezu blind verlassen kann.

Lass uns den Blick bitte mal kurz auf den Aktivenbereich richten. Eure Frauen I spielen ja bekanntermaßen in der 3. Bundesliga, die Frauen II in der BW-Oberliga und die Frauen III sind gerade in die Landesliga aufgestiegen. Dazu noch eine Frauen IV, die in der Bezirksklasse an den Start geht. Klinkt nach nachhaltigem Erfolg. Welche Aufgabe kommt der Jugendleiterin hierbei zu, um diesen Erfolg auch zukünftig zu sichern?

Zu vorderst sehe ich meine Hauptaufgabe darin, dafür Sorge zu tragen, dass möglichst viele Jugendspielerinnen aus dem eigenen Verein den Sprung in eine unserer Aktivenmannschaften schaffen. Junge Menschen brauchen Vorbilder um zu sehen, dass es sich lohnt, für etwas zu kämpfen und für etwas einzustehen. Diese Vorbilder haben wir beim SVA. Zweifelsfrei wird es nicht jede E-Jugendliche irgendwann in den Kader der Frauen I schaffen. Dazu braucht es neben viel Talent auch einige andere Fähigkeiten. Aber wir bieten für jede Spielerin, jeden Charakter und jede individuelle Spielstärke eine Lösung. Schaut Euch die Frauen II an. Für viele ist es schon erstrebenswert irgendwann in ihrer Handballkarriere einmal in der Oberliga spielen zu dürfen. Das ist immerhin die vierthöchste Spielklasse in Deutschland. Darüber hinaus muss ich versuchen, möglichst immer allen gerecht zu werden. Dieser Spagat ist – bei sehr unterschiedlichen Leistungs- und Altersklassen, nicht immer einfach. Aber mit viel Verständnis untereinander bekommen wir das eigentlich ganz gut hin.

Ein letzte Frage noch. Ihr habt derzeit einen tollen Leistungsbereich. Was tut ihr, um dem Breitensport gerecht zu werden und auch Spielerinnen eine sportliche Heimat zu bieten, die den Sprung in den Leistungsbereich (noch) nicht schaffen?

Wir schauen immer, dass wir auch Mannschaften anbieten können, die nicht im Leistungsbereich in die Saison gehen. Das haben wir in den letzten Jahren im Jugendbereich mit unseren zweiten Mannschaften geschafft und im Aktivenbereich mit unserer Frauen IV unter der Leitung von Uli Haaff. Jede/r im Verein wird gleich behandelt und jede/r hat die selben Rechte. Das ist klar kommuniziert und das stärkt auch den vermeintlich schwächeren Teams und deren Trainern den Rücken.

Susi, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg allen Jugendmannschaften (den Aktiven natürlich auch 🙂 ) in der kommenden Saison!